Vergoldung – Traditionelle Vergoldertechniken und restauratorische Vergoldungsarbeiten
Was ist eine Vergoldung?
Unter einer Vergoldung versteht man das Aufbringen von Blattgold oder anderen Blattmetallen auf einen vorbereiteten Untergrund. Diese traditionelle Handwerkstechnik wird seit Jahrhunderten zur Gestaltung und Veredelung von Kunstwerken, Bilderrahmen, Skulpturen, Möbeln sowie architektonischen Ausstattungen eingesetzt. Je nach Objekt und Beanspruchung kommen unterschiedliche Vergoldungstechniken zum Einsatz.
Historische Vergoldungen sind weit mehr als dekorative Oberflächen. Sie sind häufig Bestandteil der originalen Fassung eines Kunstwerks und tragen wesentlich zu dessen künstlerischer Wirkung und kulturhistorischem Wert bei. In der Restaurierung steht deshalb der Erhalt der originalen Vergoldung im Vordergrund. Ergänzungen erfolgen nur dort, wo sie konservatorisch notwendig oder für die Lesbarkeit des Objekts sinnvoll sind.
Vergoldung zwischen Handwerk und Restaurierung
Die traditionelle Vergoldung verbindet handwerkliche Präzision mit umfangreichen Materialkenntnissen. In der Restaurierung kommen zusätzlich konservierungswissenschaftliche und restaurierungsethische Grundsätze hinzu. Vor jeder Maßnahme werden Untergrund, Fassungsaufbau und Erhaltungszustand untersucht, um die geeignete Vorgehensweise festzulegen.
Jedes Objekt besitzt eine eigene Geschichte. Deshalb unterscheiden sich die Anforderungen an eine barocke Holzskulptur, einen vergoldeten Bilderrahmen des 19. Jahrhunderts oder eine historische Kirchenausstattung erheblich. Ziel ist immer, die originale Substanz möglichst vollständig zu erhalten und neue Eingriffe auf das notwendige Maß zu beschränken.
Welche Vergoldungstechniken gibt es?
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich verschiedene Vergoldungstechniken entwickelt. Welche Technik angewendet wird, hängt vom Untergrund, der Nutzung und dem gewünschten Erscheinungsbild ab.
Zu den wichtigsten traditionellen Verfahren gehören:
- Polimentvergoldung
- Ölvergoldung (Mixtionsvergoldung)
- Hinterglasvergoldung
- Mattvergoldung
- Glanzvergoldung
- Punzierte Vergoldungen
- Teilvergoldungen in Kombination mit farbigen Fassungen


Jede Technik besitzt charakteristische Eigenschaften und stellt unterschiedliche Anforderungen an Material, Vorbereitung und Ausführung. In der Restaurierung orientieren sich Ergänzungen grundsätzlich an der ursprünglichen historischen Technik.
Blattgold – Material mit jahrtausendealter Tradition
Blattgold besteht aus nahezu reinem Gold, das in einem aufwendigen Verfahren zu hauchdünnen Blättern ausgeschlagen wird. Aufgrund seiner hohen Korrosionsbeständigkeit eignet sich Gold seit der Antike für die Gestaltung hochwertiger Oberflächen und hat bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren.
Je nach Anwendungsbereich werden unterschiedliche Goldlegierungen verwendet. Für Innenräume kommen häufig hochkarätige Blattgoldsorten zum Einsatz, während im Außenbereich besonders witterungsbeständige Legierungen bevorzugt werden. Die Auswahl richtet sich nach den Anforderungen des jeweiligen Objekts sowie nach historischen Befunden.
Neben Blattgold existieren weitere Blattmetalle wie Blattsilber oder Schlagmetall. Diese unterscheiden sich hinsichtlich Materialeigenschaften, Alterungsverhalten und Einsatzgebiet deutlich vom Gold und werden daher objektspezifisch ausgewählt.
Restaurierung historischer Vergoldungen
Historische Vergoldungen erzählen die Geschichte eines Objekts. Alterungsspuren, handwerkliche Besonderheiten und frühere Überarbeitungen liefern wertvolle Hinweise auf Entstehung und Nutzung. Deshalb werden originale Goldschichten nach Möglichkeit erhalten und nicht durch vollständige Neuvergoldungen ersetzt.
Vor jeder Maßnahme erfolgt eine restauratorische Untersuchung. Dabei werden Aufbau, Materialien, Schadensbilder und frühere Eingriffe dokumentiert. Erst anschließend wird entschieden, welche konservatorischen oder restauratorischen Maßnahmen erforderlich sind.



Je nach Erhaltungszustand können lose Fassungen gefestigt, Fehlstellen ergänzt oder störende Überarbeitungen reduziert werden. Alle Arbeiten erfolgen nach den Grundsätzen der Restaurierung: minimaler Eingriff, Materialverträglichkeit und Reversibilität.
Vergoldung von Bilderrahmen, Skulpturen und Ausstattungsstücken
Vergoldete Oberflächen finden sich an unterschiedlichsten Objekten. Dazu gehören historische Bilderrahmen, sakrale Ausstattungen, Holzskulpturen, Spiegelrahmen, Möbel sowie dekorative Elemente im Innen- und Außenbereich.
Jedes Objekt stellt eigene Anforderungen an Materialwahl und Technik. Während bei historischen Kunstwerken der Erhalt der Originalsubstanz im Vordergrund steht, können bei Neuanfertigungen traditionelle Vergoldertechniken eingesetzt werden, um hochwertige und langlebige Oberflächen zu schaffen.



Polimentvergoldung – Die klassische Vergoldungstechnik für hochwertige Innenräume
Die Polimentvergoldung zählt zu den anspruchsvollsten traditionellen Vergoldertechniken und wird seit Jahrhunderten für hochwertige Kunst- und Ausstattungsobjekte eingesetzt. Charakteristisch ist ihr warmer Goldton sowie die Möglichkeit, die Oberfläche mit einem Achatstein auf Hochglanz zu polieren.




Grundlage der Vergoldung ist ein sorgfältig aufgebauter Untergrund aus mehreren Kreidegrundschichten und einem feinen Poliment (Bolus). Erst auf dieser vorbereiteten Oberfläche wird das Blattgold aufgelegt und anschließend verdichtet und poliert. Je nach Ausführung entstehen matt glänzende oder hochglänzende Bereiche, die das Licht unterschiedlich reflektieren und der Vergoldung ihre besondere Lebendigkeit verleihen.
Die Polimentvergoldung findet sich vor allem an historischen Bilderrahmen, Altären, Holzskulpturen, Spiegelrahmen und hochwertigen Möbeln. Bei Restaurierungen orientieren sich Ergänzungen an der ursprünglichen handwerklichen Ausführung, um Materialität und Erscheinungsbild des Originals zu bewahren.
Ausführliche Informationen zur Technik, zum Schichtaufbau und zu den einzelnen Arbeitsschritten finden Sie auf der Seite Polimentvergoldung.
Ölvergoldung – Robuste Vergoldungen für Innen- und Außenbereiche
Die Ölvergoldung, auch Mixtionsvergoldung genannt, wird überall dort eingesetzt, wo eine besonders widerstandsfähige Vergoldung erforderlich ist. Im Gegensatz zur Polimentvergoldung erfolgt das Auflegen des Blattgoldes auf einen speziellen Anlegegrund (Mixtion), wodurch die Vergoldung dauerhaft haftet und sich auch für stärker beanspruchte Oberflächen eignet.




Diese Technik kommt häufig bei Metallobjekten, Inschriften, Wetterfahnen, Kreuzen, Fassadenelementen oder Skulpturen im Außenbereich zum Einsatz. Auch im Innenraum wird die Ölvergoldung verwendet, wenn eine matte oder seidenglänzende Oberfläche gewünscht ist oder konstruktive Gegebenheiten eine Polimentvergoldung nicht zulassen.
Die Wahl zwischen Poliment- und Ölvergoldung richtet sich immer nach Material, Nutzung und den historischen Befunden des jeweiligen Objekts.
Weitere Informationen zur Technik und ihren Einsatzbereichen finden Sie auf der Seite Ölvergoldung.
Restaurierung historischer Vergoldungen
Historische Vergoldungen sind oft über viele Jahrhunderte erhalten geblieben und dokumentieren die handwerklichen Techniken ihrer Entstehungszeit. Jede originale Goldschicht, jede Fassung und jede Überarbeitung erzählt einen Teil der Objektgeschichte und besitzt daher einen eigenen dokumentarischen Wert.


Aus restauratorischer Sicht steht deshalb nicht die vollständige Erneuerung einer Vergoldung im Mittelpunkt, sondern der Erhalt der vorhandenen Originalsubstanz. Erst nach einer sorgfältigen Untersuchung wird entschieden, welche Maßnahmen notwendig sind. Häufig genügt bereits eine konservatorische Sicherung, um weitere Schäden zu verhindern.



Sind Ergänzungen erforderlich, werden diese hinsichtlich Material, Farbwirkung und Oberflächenstruktur an den historischen Bestand angepasst. Ziel ist eine harmonische Einbindung neuer Vergoldungen, ohne den originalen Charakter des Kunstwerks zu verfälschen.
Wie läuft eine restauratorische Vergoldung ab?
Jede Restaurierung beginnt mit einer umfassenden Bestandsaufnahme. Dabei werden Untergrund, Fassungsaufbau, Vergoldungstechnik, Schadensbilder und frühere Restaurierungen dokumentiert. Diese Untersuchung bildet die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Je nach Objekt können anschließend unterschiedliche Maßnahmen erforderlich sein:
- Reinigung der Oberfläche
- Festigung gelockerter Fassungen
- Ergänzung fehlender Kreidegrundbereiche
- Rekonstruktion des Poliments
- Neuvergoldung kleiner Fehlstellen
- Retusche und farbliche Integration
- Schutz und Konservierung der Oberfläche
Alle Arbeitsschritte orientieren sich an den restauratorischen Grundsätzen der minimalen Intervention, der Materialverträglichkeit und der Reversibilität. Ziel ist es, den historischen Bestand langfristig zu sichern und die ästhetische Wirkung des Objekts behutsam wiederherzustellen.
Welche Objekte können vergoldet oder restauriert werden?
Traditionelle Vergoldertechniken kommen bei einer Vielzahl historischer und moderner Objekte zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem:
- historische Bilderrahmen
- Holzskulpturen und Figuren
- Altäre und sakrale Ausstattungen
- Spiegelrahmen
- Möbel mit vergoldeten Zierelementen
- Stuck- und Architekturdetails
- Wappen und Inschriften
- Metallobjekte
- Wetterfahnen und Turmkugeln
- dekorative Kunstobjekte
Jedes Objekt stellt individuelle Anforderungen an Material, Untergrund und Vergoldungstechnik. Deshalb wird die geeignete Vorgehensweise immer im Rahmen einer restauratorischen Untersuchung festgelegt.
Wie erstellt man eine hochwertige Vergoldung?
Es gibt zwei Verfahren der Vergoldung mit Blattgold, die sich durchgesetzt haben.
Echtgold / Polimentvergoldung: Die aufwändige und in vielen Arbeitsschritten unterteilte Vergoldung mit echtem Blattgold wird hauptsächlich auf Holzuntergründen von hochwertigen Rahmen, Möbeln, Stuck und sakrale Kunstwerke angewandt. In Glanz, Farbton- und tiefe unübertroffen. Nicht für den Außenbereich geeignet.
Diese Art der Vergoldung erfordert langjährige Erfahrung, um erstklassige Ergebnisse zu erzielen. Für die Polimentvergoldung werden unterschiedliche Blattgoldsorten, wie Dukatengold, Zitronengold oder Mondgold verwendet. Für die Polimenttechnik kann auch Weißgold oder Silber verwendet werden. Man spricht bei der Anwendung von Blattsilber von Polimentversilberung.
Ölvergoldung: auch Unechtvergoldung genannt, wird meist mit Schlagmetall ausgeführt und bietet eine preisgünstigere Alternative zur Polimentvergoldung. Sie kann auf vielerlei Untergründen wie z.B. Wände, Stuck und Schmiedeeisen angewandt werden und ist auch für Gegenstände im Außenbereich einsetzbar.
Als gelernte Vergolderin verstehe ich mich auf diese Vergoldertechniken:
Dafür beherrschen wir eine Vielzahl historischer Vergoldertechniken.
- Polimentvergoldungen
- Ölvergoldungen
- Pastiglia (Aufsetzarbeit, hierbei wird der Kreidegrund auf den Untergrund in Form von Ornamenten mit dem Pinsel fließend aufgetragen)
- Lüsterungen auf Vergoldungen / Versilberung
- Gravur
- Punzierungen (Punzenmuster werden mit Punzen in der matte Vergoldung gehämmert)
- Trassierung (Kerbungen in den Kreidegrund)
- Skrafitto (Radierung)
- Sandelungen (Sand wird als Kontrast auf ein Rahmenprofil aufgebracht und matt vergoldet)
- Pressbrokat
Vergoldung von Bilderrahmen
Wie findet man den passenden Rahmen für ein Kunstwerk?









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