Restaurierung eines mittelalterlichen Triptychons – Tafelgemälde der Kölner Schule aus dem 15. Jahrhundert
Ein mittelalterliches Triptychon aus einer Kölner Werkstatt des 15. Jahrhunderts kam mit einem komplexen Schadensbild in unsere Werkstatt nach Koblenz. Klimabedingte Veränderungen des Eichenholzes hatten sowohl den Bildträger als auch die originale Malschicht stark beansprucht.
Unser Ziel: die historische Substanz sichern, Schäden stabilisieren und die ursprüngliche Bildwirkung wieder erfahrbar machen.

Projektdaten
- Objekt: Mittelalterliches Triptychon / Klappaltar
- Datierung: 15. Jahrhundert
- Zuschreibung: Kölner Schule
- Material: Eichenholz, Kreidegrund, mittelalterliche Pigmente
- Technik: Tafelmalerei
- Schwerpunkt: Konservierung und Restaurierung von Gemälden
- Maßnahmen: Malschichtfestigung, Firnisabnahme, Kittung, Retusche
- Ort der Restaurierung: Koblenz
Befund und Schäden
Das Triptychon besteht aus mehreren vertikal gefügten Eichenholzbrettern. Besonders interessant war die an mehreren Stellen wieder sichtbar gewordene Unterzeichnung, die Einblicke in den ursprünglichen Arbeitsprozess des Malers ermöglicht.
Gleichzeitig zeigten sich:
- offene Fugen im Holzbildträger
- starke Stauchungen und Dachbildungen der Malschicht
- aufstehende und abblätternde Farbschichten
- Fehlstellen und mechanische Ausbrüche
- vergilbter, gealterter Firnis
- farblich veränderte Altretuschen
Vor allem die gefährdete Malschicht musste zunächst gesichert werden, um weiteren Verlust originaler Substanz zu verhindern.



Die Restaurierung
Die Arbeiten erfolgten in mehreren aufeinander abgestimmten Schritten:
1. Festigung der Malschicht
Aufstehende Farbschollen wurden vorsichtig niedergelegt und die Malschicht gezielt gefestigt.
2. Reinigung und Firnisabnahme
Der stark vergilbte Firnis sowie störende Altretuschen wurden kontrolliert reduziert bzw. entfernt. Mehr zum Thema Oberflächenreinigung und Firnisabnahme.
3. Sicherung des Bildträgers
Die geöffneten Fugen des historischen Eichenholzes wurden fachgerecht bearbeitet, wobei die natürliche Beweglichkeit des Holzes berücksichtigt wurde.
4. Kittung und Retusche
Fehlstellen wurden gekittet und farblich zurückhaltend integriert. Ein dünner Schlussfirnis bildet den Abschluss der Restaurierung.



Die Fotos zeigen den Ablauf der Festigung hochstehnder Bildschicht, einzelne Teile haben wir wieder in die Fehlstelle eingesetzt.
Das Ergebnis
Nach der Restaurierung ist die mittelalterliche Malerei wieder klarer und farblich differenzierter erfahrbar. Gleichzeitig blieben die originale Substanz und die Spuren ihrer langen Geschichte erhalten.
Gerade bei mittelalterlichen Tafelgemälden müssen Bildträger und Malschicht gemeinsam betrachtet werden, da die Bewegungen des Holzes unmittelbar auf die empfindliche Farbschicht einwirken können.



Die mittlere Tafel des Triptychons vor, während und nach der Restaurierung, das mittlere Foto zeigt die Tafel während der Kittung.
Restaurierung mittelalterlicher Tafelgemälde
Die Restaurierung eines Triptychons verbindet Gemälderestaurierung, Holzkonservierung und kunsttechnologische Untersuchung. Jeder Eingriff wird individuell auf Material, Aufbau und Erhaltungszustand des Kunstwerks abgestimmt.


Hier sieht man nochmal das Gemälde in Teilen, vor der Restaurierung und nach der Restaurierung
Das Gemälde wird heute im Mittelrhein-Museum in Koblenz am Rhein (RLP) gezeigt.

